Zum Hauptinhalt springen

Rollenspiele? Ja, bitte!

Im Außendiensttraining gibt es einen Satz, der zuverlässig Augenrollen auslöst: „Jetzt machen wir ein Rollenspiel.“ Viele Außendienstmitarbeiter:innen halten Gesprächssimulationen für künstlich, unangenehm, „haben mit der Realität nichts zu tun“. Und ja, ein Trainingsraum ist keine Arztpraxis. Aber wer Rollenspiele meidet, weil sie nicht „echt“ sind, könnte vergleichsweise auch Flugsimulatoren abschaffen: kein echter Himmel, somit kein Training.

Die unbequeme Wahrheit: Außendienst ist keine reine Wissensdisziplin. Außendienst ist vor allem eine Performance-Disziplin. Sie können die besten Daten, die saubersten Botschaften, die schönsten Slides haben – wenn der Einstieg holpert, Fragen ausbleiben, Einwände weichgespült werden und der nächste Schritt nicht vereinbart wird, ist alles wertlos. Die Wahrheit: Die meisten Trainings verändern nichts, weil zu wenig geübt wird. Man spricht über Gesprächsführung, statt sie zu trainieren. Man bespricht Einwände, statt ihre Beantwortung zu festigen.

Dabei sind Rollenspiele das effektivste Werkzeug, um Verhalten zu verändern. Nicht, weil sie „real“ sind, sondern weil sie das erlauben, was im echten Besuch teuer ist: Ausprobieren ohne Risiko.

Damit Gesprächssimulationen wirken, braucht es 3 Erfolgsfaktoren:

1. Aktivierung statt Alibi-Übung: Rollenspiel darf nicht der „Programmpunkt zum Schluss“ sein. Ein Gesprächstraining, in dem 80% Input und 20% Üben passieren, ist kein Training, sondern ein Seminar. Wirksam wird es erst, wenn jede Person im Raum mehrfach spielt: kurze Sequenzen, klares Ziel, Feedback, wiederholen. Üben ist nicht peinlich. Üben kann Begeisterung und Neugierde auslösen.


2. Relevanz statt Theater: Simulationen scheitern selten am Team, sondern an schlechten Szenarien. „Der schwierige Arzt“ als Karikatur bringt nichts. Was wirkt, sind echte Situationen aus dem Feld: Zeitdruck, Erstattung, „kein Bedarf“, „keine Zeit“, „schon versorgt“. Dazu klare Rollenführung und ein Rahmen, der Fehler als Entwicklungschance behandelt, nicht als Bewertung.


3. Prozess statt Einmal-Event: Verhalten entsteht nicht an einem Trainingstag. Es entsteht durch Wiederholung. Cycle Meetings und regionale Tagungen sind dafür ideal, wenn man sie als Touchpoints in einem Trainingsprozess nutzt: Pre-Check, Simulation, Transfer-Aufgaben, nächster Loop im nächsten Meeting.

Wenn Sie Außendienstleistung messbar steigern wollen, planen Sie weniger PowerPoint und mehr Simulation. Und ich erzähle Ihnen gerne, wie Sie den Außendienst von „Rollenspiel? Nein, danke!“ zu „Rollenspiel? Ja, bitte!“ bewegen.

PharmAustria | PA 01./2026 | Rollenspiele? Ja, bitte! | Dominik Flener, Geschäftsführer HealthCareConsulting Group 

Ähnliche Beiträge

Zukunft entsteht im Dialog: Was das Health Makers Festival mit unserer täglichen Arbeit verbindet

Das Gesundheitswesen befindet sich in einer Phase tiefgreifender Veränderungen. Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, neue Versorgungsmodelle, Fachkräftemangel und steigende Anforderungen an Qualität und Effizienz prägen die Diskussionen der Branche. Die Herausforderungen sind bekannt; die entscheidende Frage ist vielmehr, wie daraus tragfähige Lösungen entstehen.

Weiterlesen

Vom Kugelschreiber zur Gesprächsstrategie: was Ärzt:innen 2026 wirklich erwarten 

Wer vor 20 Jahren im Pharma-Außendienst unterwegs war, erinnert sich: Zwillingsgebiete, in denen gleich zwei Mitarbeitende dieselbe Praxis betreuten, eine hohe Besuchsdichte und kleine Aufmerksamkeiten wie Kugelschreiber, Post-its oder Keksteller zur Weihnachtszeit gehörten zum Alltag. Damals war Präsenz alles; die Zahl der Besuche zählte oft mehr als deren Inhalt.

Weiterlesen

Pharma Gehälter im Kontext: Was wirklich zufrieden macht 

Das Bild vom „Goldesel Pharma“ hält sich hartnäckig, doch wie sieht die Realität aus? Fakt ist: Die Branche bietet attraktive Bezahlung, oft deutlich über dem Durchschnitt anderer Sektoren. Aber wer glaubt, dass das allein die Motivation oder Zufriedenheit der Mitarbeitenden bestimmt, irrt.

Weiterlesen

Healthcare Literacy für Therapieerfolg

Wer das komplexe Gesundheitssystem durchblickt, hat die Chance im Krankheitsfall die richtige Ansprechperson und damit rascher die richtige Therapie zu erhalten, ist Mag. Dominik Flener, Geschäftsführer der HealthCareConsulting Group, überzeugt. Ohne diese Healthcare Literacy bleiben Patienten auch weiterhin unterversorgt oder falsch therapiert.

Weiterlesen
Suche